Lasst den Uhu leben von Nina Rauprich. Jugendbuchempfehlung

Nina Rauprich:

Lasst den Uhu leben!

1. Bibliografische Angaben und Lesestufe

  • Nina Rauprich: Lasst den Uhu leben! München: dtv junior, 2006, 144 S. (mit Zeichnungen von Irmtraut Teltau)
  • Lesestufe: 5. Klasse

2. Inhaltsangabe

Die Geschwister Jette (4. Klasse) und Tom (2. Klasse) können wegen der Arbeitslosigkeit ihres Vaters in den Sommerferien keine weite Reise unternehmen und fahren stattdessen zu ihrem Großvater in die Eifel. Bereits in der ersten Nacht, die sie auf dem Land verbringen, verfängt sich ein Uhu im Gartenzaun, den der Naturschützer Benno befreit. Die Kinder freunden sich mit Benno an und erfahren viel über seine Arbeit: Er bereitet junge Uhus auf ein Leben in Freiheit vor. Das verletzte Tier soll zur Genesung einige Tage in einer Voliere bleiben, falls es allerdings, wie der Naturschützer vermutet, Junge hat, würden diese ohne Hilfe verhungern. Tatsächlich finden Benno und die Kinder in einem Steinbruch einen bisher unentdeckten Horst, in dem junge Uhus leben. Die Freude darüber wird getrübt, als sie erfahren, dass in der Nähe bald eine Party stattfinden soll – eine Katastrophe für die Tiere. Zu allem Überfluss kann Wanda, wie Jette und Tom „ihren“ Uhu inzwischen getauft haben, nicht noch länger in der Voliere bleiben, denn offensichtlich hat ein Wilderer versucht, sie zu stehlen. Alle Versuche, die Feier zu verhindern, schlagen fehl, bis der Großvater der Kinder in letzter Minute den rettenden Einfall hat: Er lässt im Steinbruch ein Jauchefass auslaufen, was die Uhus nicht stört, sicher aber Menschen fernhalten wird.

3. Kurzinformationen zur Autorin

Nina Rauprich wurde 1938 in Bielefeld geboren. Sie studierte Landwirtschaft und Pflanzenzüchtung, machte danach eine Ausbildung zur Schauspielerin und arbeitete an verschiedenen Theatern und beim Fernsehen. Im Alter von 40 Jahren begann sie mit dem Schreiben und lebt heute als freie Schriftstellerin bei Köln. Ihre Kinder- und Jugendbücher behandeln oft soziale und ökologische Probleme. Lasst den Uhu leben!, erschienen 1985, ist ihr erstes Umweltbuch und stellt die „Aktion zur Wiedereinbürgerung des Uhus“ vor. Mit Die sanften Riesen der Meere, einer Geschichte über den Walfang, hat sie einen weiteren Titel mit umweltpolitischem Hintergrund veröffentlicht. Ihre Motivation ensteht aus der Lieblosigkeit, mit der die Menschen mit der Natur umgehen, das ist der eigentliche Grund, warum ich Umweltbücher schreibe. Natürlich hat die Natur in meinem Leben schon immer eine wichtige Rolle gespielt. An einem Sommermorgen durch die Wiesen zu laufen, wenn der Tau noch glitzert – das war mir immer wichtiger als alle Reichtümer dieser Welt. (http://www.dtvjunior.de/dtvjunior.cfm?wohin=autor33&dtvnr=70129&bereic h=K [Stand: 05/2007])

4.
Allgemeine Einordnung

Lasst den Uhu leben! ist vor allem eine Bereicherung für leseschwache 5. Klassen des Haupt- oder Realschulbereichs und eignet sich auch bereits für leistungsstarke Grundschulklassen. Die Erzählung kann auf sehr unterschiedlichen Ebenen im Unterricht gewinnbringend bearbeitet werden. Sie dient zum einen als Informationsquelle für eine genaue Auseinandersetzung mit Uhus oder bedrohten Tierarten im Allgemeinen. Zum anderen kann das Buch als umweltpolitischer Aufruf verstanden werden. Natürlich wäre es sehr schön, wenn die Schüler diesen aufgreifen und sich engagieren würden; denkbar wären eine informierende Ausstellung über bedrohte Arten, eine Spendenaktion für eine Hilfsorganisation oder ein Expertengespräch mit einem Tierschützer. Ein solches Umweltprojekt sollte der Klasse allerdings nie aufgedrängt, sondern von ihrem Interesse und ihrer Bereitschaft abhängig gemacht werden. Eine dritte Ebene der Erzählung, die im Unterricht sicherlich am Anfang steht, ist die erzählerische Struktur. Es bietet sich an, die Ereignisse aus der Sicht von Tom und Jette wiederzugeben, etwa in einem Ferientagebuch, oder wie Tom selbst Gedichte zu erfinden. Darüber hinaus ist es auch lohnenswert, einige vom Umweltschutz unabhängige Themen, die die Erzählung anspricht, aufzugreifen, beispielsweise die Arbeitslosigkeit des Vaters oder die Einsamkeit des Großvaters.

5. Strukturelle und sprachliche Besonderheiten

Das Buch ist, wie oben bereits angesprochen, für Schüler der 5. Jahrgangsstufe leicht zu erfassen und somit auch in leseschwachen Klassen einsetzbar. Dies begründet sich mit einfachen und knappen Sätzen und dem großen Anteil an wörtlicher Rede. Die Sachinformationen werden in Gesprächen zwischen den Geschwistern und dem Naturschützer Benno vermittelt und sind so weder schwierig zu verstehen noch wirken sie aufdringlich belehrend. Eine Auflockerung erfährt die Handlung auch durch Tom, der an „Dichteritis“ (S. 11) leidet und seine Erlebnisse stets in Reime verwandelt. Der Leseumfang von knapp 140 Seiten ist von Schülern dieses Alters sehr gut zu bewältigen, zumal der Text von zahlreichen Illustrationen unterbrochen wird. Über den 12 Kapiteln stehen jeweils Stichworte, die auf den Inhalt verweisen und im Unterricht die Orientierung im Text (z. B. bei der Suche nach Textstellen) erleichtern.

6. Didaktische Anmerkungen

Die Arbeitslosigkeit des Vaters
Weil Jettes und Toms Vater arbeitslos ist und eine Reise nicht finanziert werden kann, kommt erst die Idee auf, den Großvater zu besuchen. Der Vater ist unzufrieden mit seiner Situation und verbittert, es kommt sogar zu Streit in der Familie: „Ich habe wohl gar nichts mehr zu melden, seit ich arbeitslos bin?“ (S. 14) Besonders aufgrund der politischen Aktualität des Themas sollte diese Stimmung aufgegriffen werden. Methodisch gibt es dafür unterschiedliche Möglichkeiten: Die Schüler schreiben einen inneren Monolog des Vaters während des Familiengesprächs im 1. Kapitel (eine schwierige Aufgabe, da die Identifikation mit dem erwachsenen Arbeitnehmer wahrscheinlich gering ist), einen Tagebucheintrag von Jette (z. B. mit folgendem vorgegebenen Anfang: „Sonst sind wir immer ans Meer gefahren, aber seit Papa arbeitslos ist, hat sich vieles verändert …“) oder ein Rollenspiel, in dem Jettes beste Freundin fragt, warum sie in diesem Jahr nicht nach Italien fährt. In allen drei produktionsorientierten Aufgaben sollte deutlich werden, dass Arbeitslosigkeit überhaupt nichts mit Faulheit zu tun hat und sowohl finanziell als auch sozial große Belastungen für den Arbeitslosen und seine Familie mit sich bringt. Auch die psychische Belastung für den Vater wird (besonders im ersten Aufgabenvorschlag) deutlich.

Sachinformationen
An die zahlreichen Sachinformationen, die die Erzählung bereits liefert, können verschiedene fächerverbindende Projekte mit dem Biologieunterricht anknüpfen. Die Schüler arbeiten entweder vertiefend über den Uhu oder über andere bedrohte Tier- und Pflanzenarten. Dabei hilft ein Handapparat aus Sachbüchern in der Klasse oder die Schulbücherei. In Paaren oder Kleingruppen erhalten die Schüler die Aufgabe, einen Steckbrief eines Tieres oder einer Pflanze zu erstellen. Dazu wird zunächst im Plenum überlegt, welche Kriterien dabei wichtig sind. Anschließend erstellen die Kinder individuelle Steckbriefe und präsentieren sie der Klasse. Alternativ gestalten sie eine Ausstellung für die gesamte Schulgemeinde.

„Dichteritis“
Toms Angewohnheit, jedes Ereignis mit einem Reim zu kommentieren, löst bei den Schülern nicht nur Erheiterung, sondern auch den Wunsch, selbst zu reimen, aus. Diese Motivation sollte man im Unterricht unbedingt nutzen. Die Gedichte des Jungen entstehen zu aktuellen Alltäglichkeiten, dies kann man sehr schön aufgreifen. Die Schüler notieren zunächst in Stichworten einige Erlebnisse der letzten Tage und ihre Empfindungen dabei. Nun bespricht man noch kurz das markante Merkmal von Toms Gedichten, den Paarreim, und schon können die Schüler ihre Notizen in Reime umsetzen. Die Ergebnisse werden anschließend der Klasse vorgetragen. Alternativ könnte auch ein gemeinsames Erlebnis wie der letzte Wandertag in Reime umgesetzt werden, hier wäre die Vergleichbarkeit größer und eine Diskussion eher möglich.

Die ungewisse Zukunft der Uhus
Am Ende der Erzählung verlängern Jette und Tom ihren Aufenthalt bei dem Großvater, weil sie Benno helfen wollen, neue Uhuküken auszuwildern. Die beiden Kinder wollen Verantwortung übernehmen und haben eingesehen, wie wichtig Umweltschutz ist („Papa, jeder muss mithelfen, dass die Tiere und Pflanzen nicht aussterben“, S. 137; „Wir passen auf und geben Acht und gehen auf die Uhuwacht.“, S. 139). Ob das Überlebenstraining mit den neuen Jungtieren erfolgreich ist, bleibt offen. Den weiteren Verlauf der Handlung können die Schüler in einem Erzählkreis „weiterspinnen“ (jeder darf maximal drei Sätze erzählen) oder auch verschriftlichen, etwa in Form eines Urlaubstagebuches von Jette. Außerdem kann man mit der Klasse besprechen, warum die Autorin die Zukunft der Uhuküken offenlässt.

Brief an die Autorin
Im Nachwort fordert Nina Rauprich die Leser ausdrücklich dazu auf, ihr zu schreiben. Dies ist für die Schüler eine sehr große Motivation, die Lektüre zum Abschluss der Unterrichtsreihe nochmals zu reflektieren: Was hat uns gut gefallen? Was weniger? Welche Fragen haben wir an die Autorin? In einem Brainstorming können die Kinder zunächst sammeln, was sie der Schriftstellerin gerne mitteilen möchten. Dabei wird auch klar, ob man sich auf einen gemeinsamen Text einigen kann oder ob die Schüler bzw. kleine Gruppen jeweils einen eigenen Brief verfassen möchten.


empfohlen von Christiane Althoff

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